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Das Karen Blixen-Museum in Rungstedlund

Rungstedlund, Foto: Kurt Rodahl Hoppe

Die bekannte dänische Schriftstellerin Karen Blixen wurde 1885 auf dem Gut Rungstedlund geboren. Heute liegt es circa 20 km nördlich von Kopenhagen am Öresund. Die ältesten Teile des Gebäudes lassen sich aber bis 1680 zurück datieren. Nach ihrer Rückkehr aus Afrika zog sie wieder in ihr Elternhaus ein. Karen Blixen ist dabei nicht die einzige bekannte dänische Schriftstellerin, die in Rungstedlund lebte. Auch Ludvig Holberg – der Molière des Nordens – und der große dänische Dichter der Empfindsamkeit Johannes Ewald verbrachten Teile ihres Lebens dort.

Das grüne Zimmer, Foto: Jens Lindhe

Seit 1991 ist das Gebäude ein Museum und beherbergt mehrere Ausstellungen. Es werden originale Einrichtungen und auch Kunst, gemalt von Karen Blixen, sowie eine biografische Ausstellung gezeigt. Außerdem werden Teile von Blixens umfangreicher Privatbibliothek ausgestellt. Zum Museum gehört zudem noch ein großer Park. Dieser wurde auf Wunsch Blixens zum Vogelschutzgebiet erklärt. Heute brüten dort etwa 35 verschiedene Vogelarten.

Zur Homepage des Museums geht es hier.

Im Park von Rungstedlund, , Foto: Jens Lindhe

Kehren wir jetzt noch zu Johannes Ewald, dem Dichter der dänischen Empfindsamkeit, zurück. Er schrieb eines der jubelnsten Gedichte Skandinaviens über landschaftliche Schönheit – und zwar über die Gegend von Rungstedlund. Hier kommt der unbedarfte Versuch einer interlinearen Übersetzung dieses Poems. Da will man doch hin!

Johannes Ewald
Rungsteds Glückseligkeiten. Eine Ode (1775)

Im kühlenden Schatten,
Im Dunkel, das Rosen ausbreiten;
Wo die Sängerin baut
Und zwitschernd verrät ihr Nest –
Wo sprudelnde Bäche,
Bald dämpfen, bald wecken
Den Liebling der Musen, den fühlenden Skalden,
Mit stetig gleichmäßig rieselndem Fall –

Wo die Hirsche brüllen
Den leichtspringenden Söhnen des Waldes entgegen
Und prusten, und fühlen
Den Reichtum, in welchem sie stöhnen –
Wo der Mähmann singt
Zwischen güldenen Garben,
Und seinen Schatz zählt, und seinen Ruf erhebt,
Zu dem, der seine Hoffnung krönte.

Wo scherzende Wellen
Den Wanderer beglucksen, dessen Auge
Bald starrend folgt
Den gräulichen Höhen von Helsinge;
Bald wundernd durchhastet
Wälder von Masten. –
Und forscht, und erkennt des Fremden Flagge,
Und vergisst den zur Neige gehenden Tag.

Wo die Erleichterung der Einsamen,
Der freundlich lindernde Schlummer,
Oft einer Louise gebot,
Zu vergessen ihren liebenden Kummer –
Wo Freuden dem Wandernden
Ruhe zulächeln,
Wo Rungsted umkränzt die pureste Lust;
Dort erfüllte die Muse meine Brust. –

Wo Kummer und Schmerz
Froh Dein Bild fanden, Du Hoher,
Das edelste Herz
In jedem mitleidenden Auge –
Wo Freundlichkeit ziert
Die strengsten Tugenden;
Dort wuchs mein Gesang; und der verwunderte Wald
Ließ widerklingen des Schöpfers Gesetz. –

Ich sah Deine Throne,
Oh Allmacht! – und starrte lange –
Doch heilige Töne
Fuhren durch die zitternden Saiten –
Jedes Blatt, in dem mein Auge
Den Abdruck des Hohen fand,
Entflammte die Seele – da wuchs mein Gesang! –
Da strömte der mächtige Klang! –

Oh Vater der Welten! –
So sang ich – Du Starker! – Du Weiser! –
Gott! – den Myriaden,
Den des Himmels Mächtige preisen! –
Sieh, der Staub kann heben
Deinen Reichtum, Deine Ehre,
Deine Güte, oh Vater! – so sang ich – und Wonne
Brach der Lippen bebenden Klang.

Glückseliger Dichter,
Den die Freude in ihre Hütte lud
Zu angenehmen Pflichten;
Zu Freiheit, die die Tugenden beschützen! –
Die Cheruben vernehmen
Seine jubelnde Stimme,
Und Himmel versammeln sich um ihn herum; und Lust
Macht sich breit in des Menschen Brust. –

Doch Du, die alleine
Diese Lust entriss meinem Schmerz,
Sag! – Kann meine Muse
Ihre Wonne entfachen in Deinem Herz? –
O sag mir, Freundin! –
Kann die Göttin des Gesangs
Mit schmelzenden Tönen den Schoß belohnen,
Aus dem meine Glückseligkeit floss?

Übrigens enthält der Text auch eine kleine Prise MV. Mit der Louise im Plural in der 4. Strophen ist wohl zunächst Louise zu Mecklenburg-Güstrow gemeint, die von 1699 bis 1722 Königin von Dänemark war. Ihr Mann Frederik war oft untreu. Da half ein Rungstedlunder Schlummer (im Gasthaus) gegen den Kummer.

Kulinarischer Klang #6

Wer ein leckeres Frühstück, ein warmes Mittagessen oder einen köstlichen Kaffee mit einem Stück Kuchen zu sich nehmen möchte, ist beim Café und Restaurant Lichtblick richtig. Das Lichtblick liegt, nur einige Schritte vom Greifswalder Marktplatz entfernt, gegenüber vom Rathaus. Neben einem ganztägig verfügbaren Imbissangebot werden täglich wechselnde Tagessuppen und ein ebenso täglich wechselndes Mittagsgericht angeboten. Frische Kuchen sowie Kaffee- und Teespezialitäten runden das Angebot zusammen mit Getränken für jeden Geschmack ab. Das Café und Restaurant gehört zum Pommerschen Diakonieverein, der sich unter anderem dafür einsetzt, dass Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Beeinträchtigungen ein erfülltes Arbeitsleben führen können. Im hellen und freundlichen Ambiente des Lichtblicks heißt euch ein herzliches Team mit leckeren Gerichten und einer ruhigen Atmosphäre willkommen. Ein perfekter Ort, um in der Mittagspause abzuschalten oder am Nachmittag mit Bekannten über einem Kaffee zu plaudern.

© Luise Helling

Deshalb freuen wir uns, dass das Café und Restaurant Lichtblick auch in diesem Jahr den Kulinarischen Klang bereichern wollte. Doch leider kam die aktuelle Corona-Situation dazwischen. Wir möchten euch jedoch nicht vorenthalten, was für schmackhafte Gerichte angeboten werden sollten. Es war beispielsweise geplant, überbackenes Lachsfilet „Norwegische Art“ mit Blattspinat und Dillkartoffeln sowie dänische Frikadellen mit Sahnesoße, Preiselbeeren und Salzkartoffeln anzubieten. Suppen dürfen hierbei nicht fehlen: finnische Tomaten-Kartoffelsuppe und schwedische Fischsuppe mit frischem Dill sind nur zwei köstliche Beispiele.

Wir danken dem Team des Café und Restaurant Lichtblick für die umfangreiche Zusammenstellung des diesjährigen Angebots sowie das beständige Engagement beim Kulinarischen Klang und hoffen, dass wir schon bald wieder ein leckeres Gericht im Lichtblick genießen können.

Morgen geht es mit dem Caféhaus Marimar weiter!

Text: Luise Helling

Barock DES OSTSEERAUMS: Ein Gedicht von Sibylla Schwarz

Zum Konzert des Ensembles La Récréation am 13.5. waren ursprünglich auch Gedichtrezitationen geplant. Hier kommt eines von Sybilla Schwarz bekantesten Gedichten, eingeleitet von unserem ehemaligen Festivalleiter Walter Baumgartner, der auch auf die Veranstaltungen des bevorstehenden Schwarz-Jahres hinweist.

Bildnis Sibylla Schwarz (Sibylla Schwarz e.V.)

Sibylla Schwarz (1621-1638), die Bürgermeistertochter aus Greifwald, ist in neuester Zeit als wichtige Barockdichterin wiederentdeckt worden.  Heute halten Literaturwissenschaftler Tagungen über sie ab. Begeisterte Leser sorgen für ihre Internetpräsenz.

Sibylla Schwarz hat mit allen Genres experimentiert. Sie hat freche Adelskritik geübt und ein ergreifendes Lied über ihren eigenen Tod geschrieben. Heute sind ihre Liebesgedichte beliebt, und die Idyllen, in denen sie den Sommer am Greifswalder Bodden, in Frätow, besingt. Oder die Zerstörung dieses ihres Sehnsuchtsorts durch den Dreißigjährigen Krieg. Ein traurig und stellenweise doch lustiger kleiner Schäferroman handelt von zweien, die sich nicht kriegen können – wegen ihrer „Blödigkeit“ (Geniertheit) und weil der Pappa es nicht will.

In Greifswald wird nächstes Jahr die 400-jährige Wiederkehr von Sibylla Schwarz‘ Geburtstags mit zahlreichen Veranstaltungen, verteilt auf das ganze Jahr, gefeiert. Konzerte, eine Ausstellung, Theateraufführungen, Vorlesungen, der Film „Sibylla Back in Town“ werden zu sehen und zu hören sein. Ausserdem finden literarische Workshops statt, eine neue wissenschaftliche Gesamtausgabe ihres Werks wird lanciert und eine Graphic Novel über ihr Leben.

Sonett

DIe Lieb ist blind/ und gleichwohl kan sie sehen/
hat ein Gesicht/ und ist doch stahrenblind/
sie nennt sich groß/ und ist ein kleines Kind/
ist wohl zu Fuß/ und kan dannoch nicht gehen.
Doch diss muß man auff ander’ art verstehen:
sie kan nicht sehn/ weil ihr Verstand zerrinnt/
und weil das Aug des Herzens ihr verschwindt/
so siht sie selbst nicht/ was ihr ist geschehen.
Das/ was sie liebt/ hat keinen Mangel nicht/
wie wohl ihm mehr/ als andern/ offt gebricht.
Das/ was sie liebt/ kan ohn Gebrechen leben;
doch weil man hier ohn Fehler nichtes find/
so schließ ich fort: Die Lieb ist sehend blind:
sie siht selbst nicht/ und kans Gesichte geben.