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Ken Denning: Partituren der Landschaft

Ken Denning, Öl auf Papier, 2021, 56 x 76 cm

SA 14.8., 18:00, Kunst Design ETcetera, Ausstellungseröffnung

Islands Farben, Linien der Färöer, Klänge des Nordens, sie leben in Skizzen und  Erinnerungen des dänischen Malers Ken Denning. Aus diesen Landschaften lässt er „mit Glück“ seine Landschaften werden: grandiose, unvergessliche Bilder. Ken Denning wird aus seinen sehr poetischen Einfällen dazu lesen, Ernst-Jürgen Walberg wird die Ausstellung eröffnen.

Der Rausch – Spielfilm von Thomas Vinterberg (DK/S/NL 2020)

Foto: Henrik Ohsten

SO 29.8., 17:00 & MO 30.8., 17:00 & 19:45 (statt wie im Faltblatt angekündigt 20:00), CineStar, Hauspreise

Das dänische Dream-Team endlich wieder vereint: In der berührenden Tragikomödie “Der Rausch” um einen hochprozentigen Selbstversuch lässt Regisseur Thomas Vinterberg (Das Fest, Die Jagd) seinen Ausnahmestar Mads Mikkelsen in der Hauptrolle auf der Suche nach Erfüllung und Lebensfreude zu berauschter Höchstform auflaufen. Der vielfach prämierte Film gehörte nicht nur zur offiziellen Auswahl der Filmfestspiele von Cannes, Toronto und San Sebastián, sondern wurde auch zum Besten europäischen Film des Jahres 2020 gekürt, gewann den Oscar® 2021 als Bester internationaler Film und war 2020 die meistgesehene Produktion in Dänemark.

Es geht um Martin, der früher Lehrer aus Leidenschaft war– heute sind nicht nur die Schüler von seinem fehlenden Enthusiasmus gelangweilt, auch in Martins Ehe ist die Luft raus. Seinen drei Freunden, die am selben Gymnasium unterrichten, geht es nicht viel besser. Bei einer angeheiterten Geburtstagsrunde diskutieren sie die Theorie eines norwegischen Psychologen, nach der ein Mensch nur mit einem erhöhten Alkoholgehalt im Blut zu Bestleistungen fähig ist. Solch eine gewagte These muss überprüft werden. Die vier beschließen den Selbsttest zu machen und während der Arbeit einen konstanten Pegel von 0,5 Promille zu halten. Soll nicht sogar Churchill den Zweiten Weltkrieg in einem Alkoholrausch gewonnen haben? Mit neuem Antrieb stürzen sie sich in ihr geheimes Experiment. Die Wirkung lässt nicht lange auf sich warten…

Pressestimmen:

[Mads Mikkelsens] Darstellung allein schon macht den Film zu einem bereichernden Geschenk.
DIE ZEIT

Komplexe wie faszinierende Studie darüber, wie Alkoholkonsum die Probleme unserer Gesellschaft widerspiegelt.
PROGRAMMKINO

[…] Vinterberg hat schon mehrfach bewiesen, wie man hochkomplexe moralische Zusammenhänge um den Faktor Mensch ergänzen und dadurch jedwede emotionalen Grenzen ausloten kann. In „Der Rausch“ ist ihm das erneut gelungen.
WESSELS FILMKRITIK

Foto: Henrik Ohsten

TRIO WOLSKI

DI 20.7., 20:00, St. Spiritus, Innenhof
Eintritt: 12/8 Euro

Hanna Blomberg (Geige), Petter Ferneman (Akkordeon) und Kristian Wolski (an der mit der Mandoline verwandten Cister) bilden zusammen das Trio Wolski, eine moderne Folkband aus Malmö. Mit starken Klangfarben und großen dynamischen Variationen hat die Band einen frischen und persönlichen Sound gefunden, der das Publikum in den Bann zieht. Neben der Tradition der schwedischen Volksmusik bereichern ihr Repertoire auch Originalkompositionen, die von so verschiedenenen Genres wie Klassik, Jazz und Rock inspiriert sind. Aus perfekt abgestimmten Arrangements schwingen sich die Instrumente in lebhafte Improvisationen.

Nach ihrem Wertungskonzert beim Plauener Folkherbst 2019 gewannen die Drei die Trophäe “Eiserner Eversteiner” (aka. European Folk Musik Award). “Es sind die Spielfreude und das harmonische Zusammenspiel (…), das Jury und Publikum diesmal zu einer einhelligen Meinung kommen ließen, ein Fall, der in der 28-jährigen Folkherbst-Preisverleihung nicht oft vorkam. Unprätentiös und ohne technischen Schnickschnack lässt Trio Wolski ihre Heimat Ton werden” schrieb Cornelia Henze vom Vogtland-Anzeiger. Und in der Zeitung Blick hieß es damals: “Die Spielfreude der Nordlichter war bis in die hinteren Sitzreihen zu spüren.”

2020/21 wurde die Band von der südschwedischen Musikproduktionsinstitution Musik i Syd zum “Ensemble in Residence” gewählt.

DER NÖRDLICHSTE FLAMENCO – InterView MiT Anna Murtola

Foto: Katariina Salmi

Warum singst Du Flamenco? Hat Dich jemand dazu inspiriert?

Ich habe das Singen schon immer geliebt seit ich ein Kind war, jedoch ging ich nicht zum Gesangs- oder Musikunterricht. Trotzdem wollte ich schon immer singen und auftreten, und als ich im Jahr 2000 Flamenco-Tanz begann, entdeckte ich auch Flamenco-Gesang für mich. Tatsächlich entdeckte ich Flamenco durch meine Mutter, die in den 90er Jahren Flamenco in meiner Heimatstadt Oulu tanzte. Ich war beeindruckt von der Intensität und Persönlichkeit des Tanzsports und deshalb ging ich selbst zum Unterricht. Kurz nachdem ich mit dem Tanzen begonnen hatte, kam die Idee aus, dass unser Kurs auch ein wenig Flamenco-Musik lernen sollten. Wir gründeten Finnlands ersten Flamenco-Gesangsverein in Oulu, was mein erster Kontakt mit dem gesungenen Flamenco war.

Flamenco kommt aus Andalusien. Warst Du schon einmal in Spanien? Was magst Du an dem Land, der Kultur, der Musik und den Menschen?

Ich habe sowohl für längere, als auch kürzere Zeiträume in Spanien gelebt. Am längsten habe ich in Granada gelebt, was ich immer noch oft vermisse. Außerdem habe ich für kürzere Zeit in Sevilla und Madrid gelebt und Flamenco studiert. Flamenco und spanische Kultur sind eng miteinander verbunden und ich mag auch spanisches Essen, den Wein und die Lebensweise. Aber ich mag auch viele andere Kulturen und ich denke nicht, dass eine besser ist als die anderen.

Woher kommst Du? Beschreibe uns deine Heimat. Wo würdest Du gerne einmal auftreten?

Ich komme aus Oulu, Nordfinnland. Oulu ist eine relativ große Stadt im finnischen Maßstab, aber eine sehr kleine Stadt auf globaler Ebene. Im Norden wird das Leben stark vom Zyklus der Jahreszeiten beeinflusst – Dunkelheit und Licht, Kälte und Wärme. Mein Heimatland wurde mehrere Jahre in Folge zum glücklichsten Land der Welt gewählt. Für mich kommt dieses Glück durch saubere Natur, Wälder und Seen, sowie durch eine gewisse Unverstelltheit der Menschen zustande. Die finnische Kunst – vor allem die nordfinnische – hat es immer gewagt, ihre eigenen Wege zu gehen. Aus Finnland kommt eine Menge sehr origineller Musik.

Ich zog 2015 aus meiner Heimatstadt fort, als ich für ein Master-Studium in Weltmusik nach Helsinki an die Sibelius-Akademie und nach Aarhus an die Dänische Königliche Musikakademie für das Nordic Master of Global Music-Programm ging. In Oulu zu leben und sich als Flamenco-Sängerin zu behaupten, wäre sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich gewesen. Also blieb ich in Helsinki, wo es einfacher ist, als Musikerin zu arbeiten. Der Norden und meine Heimatstadt sind jedoch immer ein Teil von mir und beeinflussen auch die Art von Kunst, die ich mache.

Mein Traum wäre es, an möglichst vielen Orten und Veranstaltungen international aufzutreten und für eine Vielzahl von Menschen. Durch die Auftritte kann man immer einen Blick auf Orte werfen, die sonst nicht zugänglich wären. Das ist, was ich faszinierend finde. Meine jetzt geplante Deutschlandtournee ist auch ein wahrgewordener Traum.

Spanisch ist eine Weltsprache und spanischsprachige Musik wird auf vielen Kontinenten gemocht. Weißt du, warum es in Nordeuropa – auch in Deutschland – nicht so üblich ist?

Vielleicht haben unsere Länder im Gegensatz zu anderen Kontinenten keine so starke spanischsprachige Bevölkerung… Andererseits scheint derzeit spanischsprachige Musik auf dem Vormarsch zu sein und sie wird auch in Finnland immer mehr im Radio gehört. Auch beim Eurovision Song Contest letzte Woche habe ich in vielen Songs Spanisch gehört!

Worum geht es in Deinen Texten? Welches Lied gefällt dir am besten?

Einer meiner wichtigsten oder zumindest persönlichsten Songs ist Fuego Por Dentro. Das ist auch der Name meines Debütalbums. Der Name bedeutet “Feuer im Inneren” oder “Inneres Feuer”. Es erzählt eine persönliche Geschichte darüber, dass man manchmal den Mut haben muss, auf die Stimme seines Herzens zu hören und auch schwierige Entscheidungen im Leben zu treffen.

Du singst auf Spanisch. Könntest Du dir auch Flamenco auf Finnisch vorstellen oder passt diese Sprache nicht dazu?

Flamenco ist eine sehr traditionelle Kunstform und es hat viele Jahre gedauert, bis ich mir die Möglichkeit gegeben habe auf Finnisch zu singen. Meine eigene Gesangskarriere war speziell mit Flamenco-Gesang verbunden und ich habe nicht wirklich auf Finnisch gesungen und aufgeführt, bis ich anfing Flamenco zu singen. Meiner Meinung nach gibt es viel interessantes Potenzial, wenn man Finnisch, oder jede andere Sprache, mit Flamenco kombiniert, aber es besteht auch die Gefahr, dass es total schief geht. Wenn ich finnische Texte in Kombination mit Flamenco mache, glaube ich nicht, dass es sich nur um direkte Übersetzungen des Originals handelt, sondern es muss einen Grund geben, warum ich es auf Finnisch singe.

Tanzt Du auch Flamenco?

Ich habe im Jahr 2000 angefangen Flamenco zu tanzen, das war vor über zwei Jahrzehnten. Tanzen liegt mir am Herzen, und ich bewege mich gerne bei Gigs. Eigentlich bin ich keine Flamenco-Tänzerin, aber ich arbeite eng mit vielen von ihnen zusammen.

Spielst du ein Instrument, wie z.B. Gitarre oder Kastagnetten?

Ich spiele eigentlich nichts, obwohl ich ein wenig Gitarre und Klavier spielen kann. Ich benutze das Keyboard, um meine Kompositionsarbeit zu unterstützen, obwohl ich noch nie gelernt habe, wie man es richtig spielt. Kastagnetten werden im Flamenco nicht sehr häufig verwendet, obwohl sie außerhalb Spaniens oft vorkommen. Sie werden hauptsächlich im Flamenco beeinflussten Ballett Española verwendet, das ist kein Flamenco.

Beeinflusst es Deinen Gesang oder Deine Musik, ob ihr als Duo oder Quartett auftretet?

Die Komposition hat großen Einfluss auf die Performance und ihrer Dynamik. Es wirkt sich auch auf die Auswahl des Repertoires aus, da das Duo besser mit traditionellerem Flamenco arbeitet als die für die Band komponierten Lieder. Beide haben ihre Vor- und Nachteile und hängen stark von der Situation ab, wo was besser funktioniert.

Was halten die Finnen vom finnischen Flamenco?

Finnen sind in der Regel sehr interessiert und überrascht zu hören, dass ich Flamenco singe. Es ist immer noch ein sehr unbekannter Stil in Finnland, aber wann immer wir auftreten, ist der Empfang sehr warm.

Kannst Du uns vorstellen, was Nordic Flamenco Club und Northern Pulse sind?

Der Nordic Flamenco Club ist eine Flamenco-Veranstaltung, die von einer in Helsinki ansässigen Musik- und Tanzgruppe, dem „Imperfecto-Kollektiv“, organisiert wird, das nordische Flamenco-Schaffende nach Helsinki holt. Dieses Jahr hat das Kollektiv, dem ich angehöre, einen Club mit dem Thema Northern Pulse organisiert. Der Schwerpunkt lag auf Rhythmus: Was ist der Puls des modernen Nordic Flamenco, wie bestimmen beispielsweise Rhythmus und Jahreszeiten unser Leben und die Kunst im Norden? Zum Beispiel habe ich da mein neues Lied uraufgeführt, in dem ich eine alte finnische Wiegenliedtradition mit einem spanischen Wiegenliedstil namens Nana kombinierte. Die Sprache des Liedes war Finnisch und Spanisch.

Apropos Nordic Flamenco: Die Northern Pulse-Show wurde als Livestream umgesetzt und von über 1.500 Zuschauern weltweit verfolgt.

Wie hast Du angefangen Musik zu machen? Welche musikalische Ausbildung hast Du? Wann bist Du zum ersten Mal vor Publikum aufgetreten?

Ich begann Anfang der 2000er Jahre, Musik als Hobby zu machen, während ich Flamenco-Gesang lernte. Davor hatte ich keine Musikausbildung. Meine Flamenco-Ausbildung waren auch weitgehend Selbststudium und individuelle Flamenco-Gesangskurse auf finnischen Flamenco-Festivals, die von Gastlehrern aus Spanien besucht wurden. 2007 habe ich Flamenco in Granada und an mehreren Orten in Spanien studiert.

2001 gründeten wir in Oulu eine Flamenco-Weltmusikgruppe namens Bajo Cero, die später zu einer echten praktischen Ausbildung für meine Musikerkarriere wurde. Wir haben wirklich hart gearbeitet, gespielt, aufgenommen, Gigs besorgt und gemeinsam Musik gelernt. Wenn es diese Band nicht gegeben hätte, wäre ich sicher nicht die Musikerin, die ich heute bin.

Heute habe ich auch einen Master-Abschluss in Musik, den Nordic Master of Global Music. In den Jahren 2015-2017 habe ich im Masterstudium zwischen Helsinki und dem dänischen Aarhus studiert, was auch meiner Karriere eine neue Richtung gab.

Das erste Mal, dass ich für ein Publikum auftrat, war im gleichen Jahr, in dem ich als Hobby mit dem Singen von Flamenco begann, vielleicht im Jahr 2000 oder 2001. Ich war wirklich motiviert Lieder zu lernen und aufzutreten und die Tanzschullehrerin bot mir ein Sololied bei einer Tanzschulshow an. Ich erinnere mich noch gut daran, was für ein wichtiger Moment es war, dass sie wollten, dass ich ein Solo vor Publikum singen sollte!

Könntest Du dir auch vorstellen Pop-Flamenco wie Rosalía oder Alejandro Sanz zu singen?

Ich kann mir gut vorstellen, und das tue ich auch. Leichtere Musik, die sich vielleicht sogar Flamenco-Pop bezeichnen lässt, finde ich sehr gut, wenn sie hervorragend und mit gutem Geschmack gemacht wird. Ich schätze den jungen Megastar Rosalía sehr, der es gelungen ist, mit ihrer Musik sogar die vielleicht etwas starre Tradition des Flamencos in dieses Jahrtausend zu bringen!

Als traditionelle Kunst ist Flamenco mit vielleicht engstirnigem Purismus verbunden, was ich persönlich nicht ganz verstehe. Natürlich muss man die Tradition respektieren und wenn man sagen will, dass man Flamenco-Künstlerin ist, muss man sich mit Flamenco sehr gut auskennen. Aber ich denke, Kunst sollte frei sein und nicht separat bestimmen, ob jemand Pop, Rock, Humppa – die finnische Variante des Foxtrotts – oder Flamenco ist.

Hast Du aktuell neue Projekte?

Ja. Ich bin wirklich aufgeregt, die Musik für mein nächstes Album zu komponieren und zu schreiben! Die Planungen sind in Arbeit und spätestens im nächsten Herbst werde ich in der Lage sein richtig an der Musik arbeiten zu können. Die Musik des kommenden Albums wird noch mehr von meinen nördlichen Wurzeln beeinflusst und verbindet zwei scheinbar entfernte Kulturen – Finnisch und Spanisch. Dazu beabsichtige ich, nach Nordfinnland in meine Heimatregion zu reisen und dort zu schreiben.

Was würdest Du machen, wenn Du keine Musikerin wärst?

Ich bin nicht nur Musikerin, sondern auch Produzentin im Kulturbereich. Jetzt, in meinem zweiten Corona-Frühling, war ich in einer glücklichen Position und hatte genug Arbeit als zeitgenössische Tanzproduzentin gehabt. Ich arbeite an ein paar interessanten Projekten und wenn sie vorbei sind, ist die Coronavirus-Situation hoffentlich schon besser und ich werde meine Musikarbeit wieder in vollen Zügen ausüben können!

Wie sieht Dein idealer Tag aus?

Jeder Tag, an dem ich für Menschen singen und auftreten kann.

Was möchtest Du musikalisch erreichen? Gibt es jemanden, mit dem Du noch arbeiten möchtest?

Musikalisch möchte ich meine eigene Stimme als Künstlerin und Komponistin stärken. Es wäre eine Errungenschaft für mich, wenn meine Musik Menschen berühren könnte, unabhängig von Sprache, Kultur oder Altersgrenzen. Ich interessiere mich auch für die Entwicklung und Stärkung der nördlichen Identität des Flamencos, sodass Flamenco-Gesang als eigenständige Kunstform und nicht nur als exotische Kuriosität angesehen wird. Ich träume, oder besser gesagt plane, von der Zusammenarbeit mit zwei nordischen Top-Gitarristen – Robi Svärd aus Schweden und Bettina Flater aus Norwegen.

Worauf freust Du dich am meisten, wenn Du nach Greifswald kommst?

Basierend auf dem, was ich über Greifswald und den Nordischen Klang gehört habe, freue ich mich auf ein tolles Erlebnis! Ich habe nichts als Gutes über die Stadt und das Festival gehört, sowie über das deutsche Publikum. Ich freue mich auch darauf, meine (stark verrosteten) Deutschkenntnisse zu nutzen, die ich ganze sechs Jahre in der Gesamtschule gelernt habe!

(Text: Nina Babuliack und Heidi Fountas)

Der König der Pflanzen – Carl von Linné

Linnés Bildnis gemalt von Alexander Roslin (1775) (Quelle: Wikipedia)

Unter dieser Bezeichnung ist er auch bekannt: Carl von Linné. Der am 23. 5. 1707 in Råshult/Südschweden geborene Linné begeisterte sich bereits als Kind für die Botanik. Diese Leidenschaft teilte er mit seinem Vater, Nils Ingmarsson Linnaeus, dem Gemeindepriester von Råshult. Dieser baute in seinem Garten die verschiedensten Pflanzen an und studierte sie.

In jungen Jahren wurde Carl von Linné der Hauslehrer Johan Telander zur Seite gestellt, bis er 1714 in die Schule von Växjö kam. In Växjö begeisterte er sich weiterhin für die Botanik und die Naturwissenschaften und besuchte in der Zeit von 1724­-1727 das Gymnasium von Växjö. Das Ziel seiner Eltern, Nils und Christina Linnaeus war es eigentlich, dass er Pfarrer – wie sein Vater und dessen Vater – wurde. Auf Anraten eines Freundes, des Arztes Johan Stenson Rothman, stimmte der Vater zu, dass Carl ab August 1727 die Universität von Lund für ein Studium der Medizin und Naturwissenschaften besuchte. Hier unternahm er auf Rat seines Mentors Kilian Stobæus bereits kleinere Expeditionen zur Erforschung der Umwelt in der Umgebung von Lund.

Im Jahr 1728 wechselte Linné für seine weiteren Studien an die Universität Uppsala, die sein ganzes weiteres Leben ein wichtiger Ort seines Wirkens bleiben sollte. Hier begegnete er Olof Celsius, einem schwedischen Botaniker, dem Vater des Namensgebers für die Temperaturbezeichnung: Anders Celsius. Mit diesem freundete sich Linné an.

Seine erste große Forschungsreise trat Carl von Linné im Frühjahr des Jahres 1732 im Auftrag der Königlichen Societät für Wissenschaft nach Lappland an. Hier erforschte er die Flora und Fauna und Kultur der Bevölkerung Lapplands. Sein Reisetagebuch wurde erst nach dem Tod des Forschers im Jahre 1889 erstmalig unter dem Titel Iter Lapponicum in den Ungdomsskrifter (schwedisch: Jugendschriften) veröffentlicht.

Nach seiner Rückkehr aus Lappland erlangte er seinen Doktorgrad der Medizin an der Universität von Harderwijk und praktizierte einige Jahre als Arzt, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Währen seiner Lebzeiten unternahm Linné immer wieder verschiedene Forschungsreisen innerhalb von Schweden, aber auch ins Ausland wie z. B. nach England, Holland und Deutschland.

In den Jahren 1740/42 folgte er dem Ruf der Universität Uppsala an die Lehrstühle für Medizin und Botanik. In dieser Zeit widmet er sich auch der Erstellung seiner zahlreichen botanischen Schriften. Unter anderem auch der Florula Lapponica, in der er seine Beobachtungen seiner Lapplandreise verarbeitete. Während der 1760er Jahre wurde sein Systema naturae zum zwölften Male aufgelegt.

Mit Beginn der 1770er Jahre verschlechterte sich Linnés Gesundheitszustand laufend nach zwei Schlaganfällen in den Jahren 1774 und 1775. In deren Folge verstarb der Naturforscher Carl von Linné im Alter von 70 Jahren am 10. 1. 1778 in Uppsala.

(Text: Sebastian Brath)