Literaturgespräch mit Olli Jalonen

Porträtfoto: Pekka Nieminen

MI 2.6.2021, 14:30 Digital

Literaturgespräch auf Finnisch und Deutsch mit Olli Jalonen und dem Übersetzer Stefan Moster, Einleitung: Thekla Musäus

Den Link zum Literaturgespräch erhalten Sie nach vorheriger Anmeldung via Mail an presse-nokl@uni-greifswald.de am Tag der Veranstaltung. Als Angehörige der Universität Greifswald erhalten Sie den Zugang auch über den entsprechenden Moodle-Kurs: https://moodle.uni-greifswald.de/course/view.php?id=10651

1679. Mitten im Atlantik, auf der Insel St. Helena, träumt der achtjährige Angus einen großen Traum: Er will in die Fußstapfen des Sternenforschers Edmond Halley treten und dessen Gehilfe im fernen London werden. Angus übt für seine Laufbahn als Wissenschaftler, indem er tagsüber Vögel zählt und nachts die Position der Sterne markiert, wie Halley es ihm bei seinem Besuch auf der Insel beigebracht hat. Als es unter dem tyrannischen Gouverneur zu Unruhen kommt, rückt die Erfüllung von Angus’ Traum unverhofft näher: Mit einem geheimen Brief wird er als blinder Passagier an Bord eines Schiffes geschickt, um in England die Hilfe des geschätzten Herrn Halley zu erbitten… Ein außergewöhnlicher Roman über die Anfänge der Aufklärung und die berührende Freundschaft zwischen einem kleinen Jungen und einem großen Universalgelehrten.

“Olli Jalonen […] hat dafür zum zweiten Mal in seinem Leben einen großen finnischen Literaturpreis bekommen und das zu Recht. Das ist ein Roman, in dem man sich auf erstaunliche Weise identifizieren kann mit diesem Jungen, der versucht, mit allen Widrigkeiten des Lebens fertigzuwerden, und das müssen wir ja zur Zeit auch in besonderer Weise.” NDR Kultur, Gemischtes Doppel

Durch den zweimaligen Erhalt des renommiertesten finnischen Literaturpreises, dem Finlandia-Preis, ist Olli Jalonen neben Bo Carpelan erst der Zweite, dem das überhaupt gelungen ist. Der in Helsinki geborene und jetzt in Hämenlinna lebende Schriftsteller zählt inzwischen zu den bedeutendsten Autoren seines Landes, seine Werke wurden in neun Sprachen übersetzt. Seit diesem Jahr liegt neben den bereits veröffentlichen Büchern Vierzehn Knoten bis Greenwich und Von Männern und Menschen, das dritte Buch Die Himmelskugel in deutscher Übersetzung von Stefan Moster vor.

Stefan Moster gilt als einer der renommiertesten Übersetzer aus dem Finnischen. Darüber hinaus ist er als Autor, Lektor und Herausgeber tätig. Er hat u.a. Werke von Hannu Raittila, Ilkka Remes, Kari Hotakainen, Markku Ropponen, Petri Tamminen und Daniel Katz ins Deutsche übersetzt. 2009 erschien sein Debütroman Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels, für den der Autor mit dem Martha-Saalfeld-Preis ausgezeichnet wurde.

Videogruß zum 30. Festivaljubiläum

Pandemiebedingt startet der Nordische Klang in diesem Jahr digital ins Jubiläumsprogramm. Zum offiziellen Festivalbeginn am 7. Mai wird um 19:00 Uhr auf unserem YouTube-Kanal ein Film zum 30. Jubiläum ausgestrahlt. Darin wird es Interview-Sequenzen mit den Organisator*innen, Rückblicke auf die Festivalgeschichte, Video-Grüße von Bands vergangener Jahre sowie einen Ausblick auf das Programm im Sommer geben. 


Literarischer Videogruss der Neuen Nordischen Novellen VII

DI, 18. Mai, 19:00 Uhr, online

Während der digitalen Veranstaltung stellen Übersetzer*innen der Anthologie ihre finnischen und estnischen Autor*innen vor und sprechen mit ihnen über die Kurzgeschichten, die sie geschrieben bzw. übersetzt haben. Mit dabei sind die Übersetzer*innen Katharina Hemmer, Laura-Helena Suominen, Claudia Nierste und Marcel Knorn sowie die Autor*innen Tiina Lehikoinen, Olli Lönnberg und Kairi Look.

Bereits zum siebten Mal haben zwei Studentinnen der Universität Greifswald die Anthologie Neue Nordische Novellen herausgegeben. Die Anthologie mit dem Titel „Zeitstücke“ ist im Heiner Labonde Verlag erschienen. Sie enthält 53 Kurzgeschichten und Gedichte, die sich mit dem Thema Zeit auseinandersetzen. 30 Studierende der Universität übersetzten die Texte erstmalig aus dem Dänischen, Estnischen, Finnischen, Isländischen, Lettischen, Norwegischen, Polnischen, Russischen, Schwedischen, Tschechischen und Ukrainischen ins Deutsche. Kunststudierende des Caspar-David-Friedrich-Instituts ergänzten die Geschichten mit Illustrationen. 

Die Übersetzungen entstanden in den letzten zwei Jahren im Rahmen eines von interStudies_2 geförderten Projekts als Zusammenarbeit von Studierenden des Instituts für Fennistik und Skandinavistik sowie der Institute für Slawistik und Baltistik. Die Neuen Nordischen Novellen wurden 2004 von Prof. Dr. Pantermöller ins Leben gerufen. Das Projekt bietet Studierenden berufspraktische Erfahrungen im literarischen Übersetzen und ermöglicht ihnen erste Referenzen für ihre Wege nach dem Studium. Die studentischen Übersetzer*innen machten sich mit der jungen literarischen Szene ihrer Sprachen bekannt, nahmen selbstständig Kontakt zu Autor*innen auf und übersetzten anschließend ihre Texte alleine oder in kleinen Gruppen. Unterstützt wurden die Studierenden dabei von Dozierenden der beteiligten Philologien. 

In der Anthologie „Zeitstücke“ beschreiben die aufstrebenden Autor*innen ihre Vorstellungen von Zeitwahrnehmung und -verständnis. Sie geben Rückblicke in Kindheit und Jugend von Charakteren und bringen kostbare Momente vergangener Zeiten zum Vorschein, reflektieren aber auch traurige und traumatische Erlebnisse. Immer wieder wird deutlich, wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinander verwoben sind.

In einem Interview mit Inken Paletta vom Finnland-Blog Finntastic.de geben die beiden Herausgeberinnen Anja Köneke und Noëmi Grimm einen Einblick in den Ablauf des Projektes, sprechen über die Hintergründe und Übersetzungsprozesse sowie über einzelne Texte und Autor*innen, die in der Anthologie vertreten sind.

Hier geht’s zum digitalen Festivalprogramm im Mai 2021.

CD-REZENSION: LOW-FlY QUINTET

Covergrafik: Losen Records

Low-Fly Quintet
Winter Love Song
Losen Records

Unter den Jazzsängerinnen gibt es nur wenige, die so stark die Stilistik der 1930er Jahre verinnerlicht haben wie Camilla Tømta aus Hamar in Norwegen. Nicht nur, dass sie Jazz Standards aus dieser Zeit interpretiert; sie hat jetzt auch ein ganzes Album mit von ihr selbst neu geschriebenen catchy Swingsongs im Retrostil herausgegeben, heiter und berührend. Dabei lässt sich ihre stark akzentuierende Sopranstimme wohl am ehesten mit der von Mildred Bailey – der allzu schnell vergessenen – vergleichen: eine Stimme, die in Tonlage, Vibrato und Phrasierung zwischen Ella Fitzgerald und Billie Holiday pendelt. Ihre Band besteht aus einer Rhythmusgruppe mit Ole Gjøstøl am Klavier, der seine Improvisationen in träumerisch singender Klarheit ausmalt. Sein Stil erinnert an den schwedischen Folklorejazzpionier, den Pianisten Jan Johansson. Dazu kommt ein Cello, gespielt von der klassisch ausgebildeten Siri Snortheim, das eben nicht als Ersatz von Bläserakkompagnement konzipiert ist, sondern eine für den Swing ungewöhnliche, harmoniestützende Streicherbegleitung ergänzt. Dne Bass spielt Uri Sala und die Drums Skjalg Lidsheim. Eine schöne Möglichkeit des Swing für unsere Zeit.

(Text: Frithjof Strauß)

Flamencoduo Anna Murtola & Joonas Widenius

Foto ©Jari Flinck

In den Konzerten des aus Nordfinnland stammenden Duos hört man sowohl die mitreißende Spannung des traditionellen Flamencos als auch vom durchdringenden Gesang angetriebene Stücke. Hier treten die kräftige Stimme der Flamencosängerin Anna Murtola und die virtuosen Rhythmen von Joonas Widenius’ Flamencogitarre in einen intensiven Dialog. Der lange gemeinsame musikalische Weg der beiden führte sie zu künstlerischer Perfektion. In ihrem Wechselspiel verschmelzen feinziselierter Rhythmus und eingängige Interpretation. Dieser beseelte Flamenco fängt das Publikum mit Können und Atmosphäre ein.

Anna Murtola aus Oulu gilt als die nördlichste Flamenco-Sängerin der Welt. Sie hat ihre starke Stimme als Interpretin der spanischen Tradition gefunden und agiert als vielseitige Musikerin . Sie tritt als Solokünstlerin auf und wirkt in Gruppenprojekten mit Musik, Tanz und Bildkunst aus verschiedenen Kultur- und Genrebereichen mit. Anna Murtola ist eine Pionierin der finnischen Flamenco-Gesangsausbildung. Neben ihrer Solokarriere gründete sie ein Duo mit dem Flamenco-Gitarristen Joonas Widenius. Ebenfalls ist sie als Sängerin in der World Fusion-Band Bajo Cero und in mehreren kleineren Gruppen aktiv. Sie trat extensiv bei verschiedenen Festivals von Pori Jazz bis Provinssirock und in Clubs von Oulu bis Süditalien auf. Murtola hat einen Mastergrad im Rahmen des nordischen Global Music-Programms zwischen der Sibelius-Akademie und der Royal Academy of Music in Aarhus.

Joonas Widenius aus Tornio hat sich als Flamenco-Gitarrist in einer Vielzahl von Produktionen mit Flamenco-Tänzern, Konzerten und Einspielungen – solo und mit anderen Musikschaffenden wie beispielsweise dem UMO Helsinki Jazz Orchestra – einen Namen gemacht. In Helsinki leitet er seit 2012 einen Flamenco-Verband. Joonas Widenius war 2019 mit seinem Trio auf einer Deutschland-Tournee der Deutsch-Finnischen-Gesellschaft. In diesem Rahmen trat er auch beim Nordischen Klang in Greifswald und in Grimmen auf.