Ausstellungseröffnung: Antud Ruum/Given Space (2005-2013) – Fotografien von Arne Maasik

Freitag, 5.5., 19:30, Theater Foyer, Eintritt frei

Der estnische Fotograf Arne Maasik (geb. 1971, tätig in Tallinn) zeigt seine großformatigen Fotografien zum ersten Mal in Greifswald. Zuvor hat er schon 2014/15 eine erfolgreiche Ausstellung in Berlin präsentiert – in der Botschaft von Estland.

Ausgebildet als Architekt an der Akademie der Künste in Tallinn zählt Arne Maasik heute zu einem der versiertesten Fotografen in Europa, der für sein innovatives Denken, sein tadelloses Auge und sein wunderbares Gespür hoch angesehen ist. Als einer der bekanntesten zeitgenössischen estnischen Künstler im Ausland zeigt er, nach heutigen Maßstäben, eine ungewöhnliche Weite und Tiefe.
Die Ausstellung gibt einen Überblick über die letzten zehn Jahre und exponiert die Fotos aus drei berühmten Serien. Zu der Serie NYC gehören Panoramafotos von New York, die Serie TANGLES (Gebüsche) analysiert die Natur, und die Serie LIMEN dokumentiert den erstaunlichen Eindruck von leeren Räumen einer ehemaligen Kapelle. Die Ähnlichkeit der Strukturen zwischen der Metropole und der wilden Natur ist sehenswert, genauso wie die metaphysischen Eigenschaften der Motive von Natur, Räumlichkeit und Urbanismus. Natur ist Kunst, und Kunst ist Natur.
„Die Schule der Architektur erwies sich als bedeutend für ihn. Der Weg, den er verfolgte, brachte ihn zur Frühreife in der Fotografie. In reichen, dichten, eindringlichen Bildern einer Landschaft, die nur wenig außerhalb der nationalen Grenzen bekannt sind, hat Maasiks Auge das Gebiet abgetastet, um jeden seiner Schätze in Form, Raum und Zeit offen zu legen,“ schrieb der italienische Architekt Giuseppe Provenzano anlässlich der erfolgreichen Ausstellung von Maasik im Sommer 2014 im Museo del Vittoriano in Rom. Getreu seiner phänomenologischen Dialektik repräsentiert Arne Maasiks Arbeit seit Jahren ein festes Forum für diese Art des Experimentierens: das Einrichten einer Welt, die nicht ihre Materie auflöst, sondern bewirkt, dass sie ins Freie gelangen kann. Es gründet sich und will, getreu dem Heideggerschen Credo, ein Werk sein, das die Erde eine Erde sein lässt – wie eine erhabene Arbeit der Poesie.
Für mich sind die Fotos über New York wie die einzelnen wunderschönen Aufnahmen in einem Filmstreifen. Das ist film noir – Einsamkeit und Nostalgie zusammen. Maasik fotografiert etwas Metaphysisches oder anders gesagt: seine Arbeiten lassen sich als fotografische Metaphysik definieren. Die Großstadt ist ein Dschungel, die Gebüsche sind chaotisch, aber doch fesselnd –  wilde Schönheit. Die Arbeiten von Arne Maasik verzaubern uns, und genau das ist ein Muss für hochprofessionelles Kunstschaffen.

Harry Liivrand (Kunsthistoriker und Kurator)

 

(Fotos: Arne Maasik)