Melodifestivalen – Schwedens ESC-Vorentscheid

Schweden gehört beim ESC zu einer der erfolgreichsten Nationen. Weitestgehend unbekannt ist hierzulande hingegen der schwedische Vorentscheidungswettbewerb. In Schweden ist das Melodifestivalen eine feste Größe und gehört zu den populärsten Unterhaltungsendungen im schwedischen Fernsehen. Zuschauerzahlen von 4-5 Mio. pro Sendung sind dabei keine Seltenheit. Bereits seit 1959 stellt das Melodifestivalen den schwedischen Vorentscheid zum ESC dar und liefert somit seinen Beitrag zu den schwedischen Erfolgen.

Da es sich beim Melodifestivalen um den schwedischen Auswahlwettbewerb für den ESC handelt, ist es nicht verwunderlich, dass wir hier wieder auf alte Bekannte treffen. Das Melodifestival ist die erste Hürde, die man überwinden muss, um für Schweden beim ESC erfolgreich zu sein. Zu den Siegern zählen so bekannte Pop-Namen wie ABBA, Carola Häggkvist oder Siw Malmqvist. Dabei ist für viele ein Auftritt beim „Mello“ keine einmalige Sache. Viele Künstlerinnen und Künstler wie die Dansband Arvingarna oder die Schlagersängerin Kikki Danielsson treten Jahr für Jahr wieder an. Der vom Nordischen Klang bekannte Jazzsänger Svante Thuresson nahm beispielsweise bereits sechsmal teil. Apropos: Auch die schwedisch-brasilianische Sambasängerin Simone Moreno, deren Show man zweimal beim Greifswalder Festival erleben konnte, performte vor einem Millionenpublikum beim Melodifestival.

Der Wettbewerb selbst hat im Laufe seines über 60-jährigen Bestehens, einige Veränderungen mitgemacht. So wurde der Ablauf und die Auswahl der Teilnehmer immer wieder angepasst. Auch die Ermittlung des Siegeracts wandelte sich ständig. Bis 1999 fiel diese Aufgabe ausschließlich einer Jury zu, die möglichst repräsentativ ganz Schweden vertreten sollte. Seit 1999 wurde diese Aufgabe nach und nach durch das TV-Publikum übernommen. Die Jury wurde nach dem Jahr 2002 vollständig abgeschafft. Ungefähr zeitgleich, nämlich 2001, entfiel auch die Vorgabe, dass alle Beiträge auf Schwedisch gesungen sein müssen. Seit dem gibt es jedes Jahr eine Mischung aus schwedisch- und englischsprachigen Beiträgen.

Aber wie sieht der momentane Ablauf aus? Der Wettbewerb gliedert sich in eine Vorrunde und eine Finalphase. In den vier Veranstaltungen der Vorrunde treten jeweils sieben Interpreten mit ihren Liedern gegeneinander an. Die jeweils zwei besten kommen direkt weiter ins Finale. Die Plätze 3 und 4 gehen weiter in eine zweite Runde mit dem Namen „Andra Chansen“ (Die zweite Chance). Dort treten immer jeweils zwei Titel direkt gegeneinander an. Der gewinnende Song gelangt dann auch ins Finale. In der sechsten Sendung treten dann alle Finalteilnehmer an, um zu ermitteln, wer von ihnen Schweden beim ESC vertreten darf. In diesem Ausmaß erstreckt sich der TV-Wettbewerb über ganze sechs Wochen.

Übrigens: Das Finale 2021 fand am 13. März statt – und somit steht Schwedens Beitrag für den ESC fest. Der schwedisch-kongolesische Sänger Tusse wird das Land mit dem Popsong „Voices“ vertreten.

(Text: Sven Zander)