Duo Vardøg: „Die böse Liebesgicht“ – Barocke Lieder vom Liebeswahnsinn

© Mattias Bergset

MO 9.5., 20:00, Aula der Universität
Eintritt: 12/8, mit Klangkarte 5

Der Nordische Klang hat das Duo Vardøg ein Jahr nach dem 400. Jubiläumsjahr der Greifswalder Barockdichterin Sibylla Schwarz mit einem Konzert zum Thema Liebeswahnsinn eingeladen. Seit Plato und dann der italienischen Renaissance ist Liebe als Krankheit von Ich- und Seelenverlust ein fester Topos. Insbesondere in der Literatur und in der Musik des internationalen Barocks wird dieses beliebte Thema behandelt. Bei der zwölfjährigen Sibylla Schwarz heißt es z.B.: „Die Freundschaft, die mich selbst mir fast genommen hat“! Oder in einem ihrer Sonette: „Deine Zier=Schönheit scheint wie der Sonnen Licht, und nimpt mich selber mir.“ Oder in einem anderen: „die böse Liebes Gicht// die grimme Tobes-Sucht, hat mich so zugericht,// dass ich nicht ich mehr bin.“ Reinste Dämonie! Auch in den Barockliedern, die Sibylla Schwarz gekannt haben konnte, tobte der Liebeswahnsinn. In seinem Programm unter dem von ihr adaptierten Motto „Die böse Liebesgicht“ präsentiert das Duo Vardøg liebeskranke Lieder aus England und Italien des 17. Jahrhunderts, einschließlich Werken von Henry Purcell, John Eccles, Barbara Strozzi und Girolamo Frescobaldi.

Die Sängerin Inger Øvrebø Uberg und der Cembalist Nikolai Endresen Dahl bilden das Duo Vardøg, das das weite und reiche Repertoire der Barockmonodien ergründet. In der altnordischen Mythologie meint ein Vardøg die geisterhafte Erscheinung eines Menschen, die dem wirklichen Auftauchen dieser Person vorausgeht – ein umgekehrtes Déjà-vu. Die beiden jungen norwegischen Musiker*innen arbeiten seit 2014 zusammen und erkunden den umfangreichen Bestand von Barockliedern. Darunter befinden sich einerseits ausdrucksvolle weltliche Monodien – also Stücke für Solostimme, die lediglich von einem einzigen Instrument begleitet werden – von Seconda pratica-Komponisten wie Strozzi, Monteverdi und Frescobaldi. Andererseits gehören zum Repertoire hochbarocke Kantaten und sakrale Musik von Campra, Händel sowie Couperin. Als ausgesprochen dynamisches Ensemble verschiebt das Duo Vardøg immer wieder die Grenzen der Ausdrucksstärke, spielt mit dem Timing, den Farben und den dramatischen Effekten. Eine große Rolle in seinen Darbietungen spielen die barocken Gesten und die historische Wiedergabe.

Inger Øvrebø Uberg ist eine norwegische Sopranistin. Sie wurde in Bergen an der Grieg-Akademie ausgebildet, wo sie 2014 mit dem Bachelor abschloss. Des Weiteren hat sie ein Lehrerdiplom der Norwegischen Musikhochschule in Oslo erworben. Sie studierte Chorleitung dort sowie in Bergen. Im Frühling 2018 beendete sie ihren Master im Gesang von Alter Musik an der Königlichen Musikhochschule Stockholm. Im selben Jahr war Uberg an der großen Produktion von „Das Phantom der Oper“ am Folketeateret in Oslo beschäftigt. Sie trat ebenso mit führenden Interpret*innen der Alten Musik in Norwegen auf. Als Sopransolistin wirkte sie im„Actus Tragicus“ und anderen Kantaten von Bach mit, sowie in Barockensembles wie Christian IV Consort und Trio Earlybird.

Uberg ist eine erfahrene Konzertsängerin, die in vielen Werken von Händel, Haydn und Mozart aufgetreten ist. Ihre Festivalgastspiele reichen vom Bergen International Festival, dem Alte-Musik-Festival Holbergdagene in Bergen bis zu Olavsfestdagene in Trondheim. Sie hat außerdem an großen Opernproduktionen mit der Nationaloper Bergen und der Opera Omnia im westnorwegischen Os teilgenommen. 2014 hat sie gemeinsam mit der klassischen Akkordeonistin Yngvild Vivja Haaland Ruud ihre eigene Opernkompanie namens Kompani Opera Mobile gegründet. Sie haben ihre erste Bühnenproduktion und Tour im Sommer 2015 unternommen und sind seitdem ein aktives Ensemble in Skandinavien.

Nikolai Endresen Dahl versucht mit einem ungewöhnlich reichen Ton einen singenden und organischen Klang des Cembalos zu zeichnen. Als Jugendlicher absolvierte er eine Stimmausbildung, studierte Cembalo und Basso Continuo bei Christian Kjos an der Norwegischen Musikhochschule. 2015 zog er in die Niederlande, um sein Musikstudium am Konservatorium von Amsterdam fortzusetzen – unter Anleitung der weltweit führenden Tasteninstrumentalist*innen Richard Egarr und Olga Pashchenko. Dort nahm er auch Stunden im Basso Continuo bei Thérèse de Goede und Kris Verhelst. So schloss er im September 2018 seinen Bachelor in Alter Musik ab.

Dahl wohnt derzeit in Oslo, wo er seine freiberufliche Karriere ausbaut. Er ist ein Gründungsmitglied von Silva Norvegica – einem Ensemble, das unbekannte Kammermusik aus den Jahrzehnten um 1600 untersucht hat und damit durch die Niederlande und die Schweiz getourt ist. Seit 2018 ist er ein Mitglied von Wirakocha. Dabei handelt es sich um ein Ensemble, das sich der exotischen Welt der lateinamerikanischen Renaissance- und Barockmusik widmet. Mit diesem tourt Dahl als Tenor und Continuospieler. Als Begleiter arbeitet er mit zahlreichen Sänger*innen zusammen und als Continuospieler war er unter künstlerischen Leitern wie Jos van Velden, Rosemary Joshua, Rémy Baudet, Teunis van der Zwart und Kreeta-Maria Kentala tätig. Die Konzertsaison 2019 umfasste Auftritte mit Wirakocha und dem Osloer Kathedralchor, Soloaufführungen in den Niederlanden, Deutschland und Norwegen sowie Duodarbietungen im Herrenhaus Oslo Ladegård und im Musikmuseum Ringve.