Kantele, SÁmitrommel, Saxophon – Die Instrumente des plakatmotivs

Der bereits veröffentlichte Blogeintrag „Schwan, Ren und Bär“ hat die dargestellten Tiere des Plakatmotivs vorgestellt. Dieser Blogeintrag beschäftigt sich nun mit den abgebildeten Instrumenten und ihrem Zusammenhang mit Finnland.

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Die Kantele ist eine griffbrettlose Kastenzither und gehört zu den Zupfinstrumenten. Sie hat zwischen fünf und 46 Saiten, wobei die Saiten der traditionellen Kantele mit Rosshaaren bestückt wurden und die moderne Kantele mit Stahlsaiten versehen wird. Es ist möglich, die Kantele im Haapavesi-Stil – die langen Saiten sind zum Musiker gerichtet –, oder im Perhonjoki-Stil – die kurzen Saiten sind zum Musiker gerichtet –, zu spielen. Die Kantele kommt heutzutage hauptsächlich in Finnland, Karelien und Estland zum Einsatz. Dies hängt mit der tiefen traditionellen Verwurzlung der Kantele in der finnischen Mythologie zusammen. Laut dem finnischen Nationalepos Kalevala, wurde die erste Kantele vom Helden Väinämöinen aus einem riesigen Hecht gebaut. Aus dem Kiefer fertigte er den Rumpf des finnischen Nationalinstrumentes und aus den Zähnen die Stimmwirbel. Als Saiten benutzte er, wie früher üblich, Rosshaare. Die Kantele ist jedoch weitaus älter als das Kalevala, denn sie hat in Finnland eine jahrhundertlange Tradition. Die finnisch-karelischen Mythen, die später von Elias Lönnrot im Kalevala zusammengetragen und aufgeschrieben wurden, gab man vorher nur mündlich weiter oder sang sie vor – begleitet von der Kantele. In den finnischen Schulen wird auch heute noch das Spielen der Kantele gelehrt.

Foto: Manfred Werner – Tsui – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25524549

Die Trommel in der Hand des Bären ist eine typische Schamanentrommel der Samen. Um die wichtige Bedeutung des Instruments für die Samen zu verstehen, muss man in die Zeit vor der Christianisierung zurückgehen. Die indigene Bevölkerung übte eine Religion des Schamanismus und Animismus aus. Dabei steht der Glaube, dass sowohl lebendige Wesen als auch unlebendige Objekte eine Seele besäßen, im Mittelpunkt. Um Kontakt zu diesen Seelen herstellen zu können, benötigte es einen Mittler – den Schamanen. Dieser ging dann mit Hilfe seiner heiligen Trommel, auch Zaubertrommel genannt, dem Joik-Gesang sowie bewusstseinserweiternden Praktiken auf Seelenreise und rief tote Verwandte oder Tiergeister. Doch nicht nur die verehrten Schamanen benutzten die mit Natur- und Göttersymbolen bemalte Rahmentrommel. Sie diente jeder Familie als eine Art Orakel mit der die Zukunft vorausgesagt werden sollte. Dazu wurde beispielsweise ein Messingring auf das Trommelfell gelegt der als „Zeiger“ dienen sollte. Dann wurde die Trommel geschlagen und der zurückgelegte Weg sowie das Symbol auf dem der Zeiger liegen blieb wurden gedeutet.

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Keine andere Musikrichtung wird so mit dem Saxophon verbunden wie der Jazz. Und das ist wohl auch von der Designerin des diesjährigen Plakatmotivs so gewollt. Denn die Jazzszene boomt seit ein paar Jahren in Finnland. Und das ist eigentlich kein Wunder, denn die Kennzeichen des Jazz passen perfekt zum modernen finnischen Selbstverständnis. Improvisation, stilistische Individualität und eine gewisse verrückte und kreative künstlerische Freiheit sind eben nicht nur Bestandteil des Jazz sondern zeichnen auch den vorwiegend jungen Teil der finnischen Gesellschaft aus. Um die 20 Jazzfestivals gibt es inzwischen in Finnland – darunter eins der bekanntesten und ältesten Jazzfestivals ganz Europas. Das Pori Jazz Festival zieht bereits seit 1966 etliche Jazzfreunde aus der ganzen Welt an. Auch in Deutschland ist man auf den finnischen Jazz aufmerksam geworden. Während die einen der Meinung sind, dass Finnland seine skandinavischen Nachbarn in Sachen Jazz bereits überholt haben, betiteln andere den aktuellen finnischen Jazz als den aufregendsten Europas.

(Text: Lars Bührmann)